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Datensicherung, Backup, RA-MICRO, Kanzleisoftware

IT-Panne des Monats Dezember: Die Mutter aller IT-Pannen

Datensicherung, Backup, RA-MICRO, KanzleisoftwareJeden Monat bieten unsere IT-Pannen einen Einblick, was so alles passieren kann in der Kanzlei-IT. Eine Sache gibt es allerdings, die darf nicht passieren, da raufe ich mir jedes Mal die Haare, da denke ich: „Das gibt es doch gar nicht! Jeder Anwalt weiß genau um das Risiko und kümmert sich nicht darum“. Die Rede ist von der Mutter aller IT-Pannen, dem Super-GAU der Kanzlei-IT: DATENVERLUST. Dieser DATENVERLUST ist so einfach zu vermeiden bei so hohem Schaden im Ernstfall, dass wir einfach nicht aufhören mit der Missionierung. Der vorliegende Fall zeigt es wieder einmal.

Schon wieder ein Cryptovirus

Kaum eine Online-Bedrohung ist derzeit so gefährlich wie die Verschlüsselungsviren Cryptolocker und Cryptowall. Sie werden massenhaft in E-Mails-Anhängen versendet – getarnt als Rechnungen oder Bewerbungen in der Dateiform pdf, zip oder neu: .doc. Wöchentlich rufen uns Kanzleien an, deren Datenbestände verschlüsselt wurden und die nur gegen Zahlung eines Lösegelds wieder entschlüsselt werden sollen. So ist es auch unserem Anrufer ergangen: Rechtsanwalt Stefan Sorglos ärgert sich spürbar, dass er „nur einmal falsch geklickt“ hat.

Wer klickt denn auf sowas?

Die Wiederherstellung des Systems nach einem erfolgreichen Crypto-Angriff gehört für uns mittlerweile (leider) zum Tagesgeschäft. Man fragt sich ja immer: „Wer klickt denn auf sowas?“, aber die E-Mails sind auch wirklich besser geworden. Vor einigen Jahren konnte man betrügerische Mails noch aus hundert Metern riechen: „Wichtiger News für Herr Müller“ – da war schon klar, dass die Mail schnell entsorgt werden sollte. Heute werden die Signaturen realer Online-Shops verwendet, deutsche Grammatik fehlerfrei umgesetzt und im Ergebnis täuschend echte Nachrichten versendet – nur eben so viele, dass immer wieder jemand den einen Klick zu viel tätigt.

Das kriegen wir schon wieder hin – oder?

Der Stefan ist also ziemlich aufgebracht und wir beruhigen ihn: Das bekommen wir schon wieder hin. Nach der eindeutigen Bestätigung, dass es sich um einen Crypto-Virus handelt, machen wir uns daran, das System neu aufzusetzen. Sichtlich erleichtert und vielleicht etwas stolz holt Stefan die letzte Datensicherung in Form einer externen Festplatte. Perfekt, da kann doch nichts mehr schiefgehen, oder? Doch! Die drei Jahre alte Platte ist defekt. Hm, dann nehmen wir eine andere Festplatte. Wie, nur eine Platte? Och nö, bitte sagen Sie schnell, dass das ein Scherz ist… Ist es nicht.

Glück im Unglück

Wir sind also auf eine einzige Festplatte angewiesen und die ist kaputt – tolle Ausgangslage. Hätte Stefan nicht unserer dringenden Empfehlung folgen können und erstens seine Festplatte laufend analysieren lassen und zweitens ein professionelles zusätzliches Online-Backup nutzen können? Dann hätten wir jetzt innerhalb von Minuten seine Arbeitsbereitschaft über eine virtuelle Maschine wieder hergestellt. Aber nein – war ja zu teuer… 22,65 € im Monat sind aber auch ein Batzen Geld. Nun gut, hilft ja nichts. Dann machen wir uns an die Datenrettung. Diese IT-Panne wäre natürlich viel überzeugender, wenn die Festplatte vollkommen zerstört gewesen wäre. Alle Daten weg – das wäre eine tolle Geschichte. RA Sorglos hatte hingegen Glück im Unglück: Die Daten ließen sich mit einigem Aufwand retten. Schlecht für die Story – gut für Stefan. Der war auch so hinreichend bedient: Zwei Tage Arbeitsausfall und ein niedriger vierstelliger Betrag für die gesamte Rettungsaktion. Für den Gesamtaufwand hätte er auch ungefähr 10 Jahre Online-Backup nutzen können. Macht er jetzt übrigens auch. Einfach um mal wieder ruhig zu schlafen.