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Datensicherung, Backup, RA-MICRO, Kanzleisoftware

IT-Panne des Monats Juni: Es läuft doch alles…

Datensicherung, Backup, RA-MICRO, KanzleisoftwareSeit heute weiß ich: Es gibt einen Gott und er meint es gut mit mir! Ich muss ja zugeben, dass es immer schwieriger wird, eine gute IT-Panne des Monats zu finden und die besten Geschichten scheinen schon erzählt zu sein. Doch wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Und so darf ich Ihnen heute wieder eine IT-Panne präsentieren, die auf drastische Weise darstellt, was im Ansatz in vielen Anwaltskanzleien falsch läuft.

Wir hatten noch nie Probleme damit

Die meisten Pannen beginnen mit einem aufgeregten Anruf bei uns – in dieser Geschichte starten wir ein paar Wochen zuvor. Kundentermin bei einer RA-MICRO Kanzlei. Der Anwalt, nennen wir ihn Peter Pfennigfuchser, weigert sich mal wieder, unseren dringenden Rat anzunehmen und seine IT-Infrastruktur zu aktualisieren. Der Server ist mittlerweile 13 Jahre alt, die Datensicherung wurde noch nie überprüft – solche Zustände in einer Kanzlei mit 20 Arbeitsplätzen, das ist einfach unhaltbar. Der Peter ist da anderer Meinung, schließlich läuft das seit Jahren, es gab noch nie Probleme, „Never touch a running system“.

Basale Vertriebsstrategien für IT-Verkäufer

Vertriebler lieben es, Kunden in Schubladen zu stecken. Versuchen wir es mal. Es gibt schlaue Menschen: Denen muss man nur vernünftig erklären, warum ein 13 Jahre alter Server Unsinn ist. Dann wird er kurz nachdenken und ihn aktualisieren. Dann gibt es ängstliche Menschen: Wenn man denen die fatalen Folgen eines Datenverlustes vor Augen führt, dann unterschreiben sie und wollen noch heute mit der Umsetzung beginnen. Und dann gibt es eine Restgruppe, die weder schlau noch ängstlich ist: Die Peters der Welt. Für einen Verkäufer, selbst wenn er es noch so gut meint, kann das eine unlösbare Herausforderung sein. Uns zumindest ist es mit fast unangenehmer Hartnäckigkeit nicht gelungen, den Peter vor seinem drohenden Schaden zu bewahren.

Nur eine Frage der Zeit…

Es kommt also wie es kommen musste: Der panische Anruf von Peter ließ ganze drei Monate auf sich warten. Nichts bewegt sich mehr, der Server steht still. Ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Dann kann der Peter samt seinen 20 Kollegen eben ein oder zwei Tage nicht arbeiten und mit etwas Glück verpasst er keine Fristen. Und die Datensicherung schützt ihn ja vor dem Verlust seiner Informationen. Moment. Datensicherung? Hatten wir da nicht mit Nachdruck empfohlen, den Notfall zu simulieren und herauszufinden, ob sie wirklich funktioniert? Hatten wir, aber das kostet ja Geld… Es sind diese Momente, in denen man nicht weiß, ob man schreien, lachen oder weinen soll.

Am falschen Ende gespart

Weinen ist allerdings die einzig angebrachte Reaktion, nachdem wir feststellen: Die Datensicherung ist seit Jahren nicht gelaufen – und niemand hat es gemerkt. Kein Monitoring (zu teuer), keine Rekonstruktion (zu teuer), kein Notfallplan (zu teuer), ja nicht einmal ein professioneller IT-Dienstleister (zu teuer). Nun sind alle Daten der Kanzlei: WEG. Ja, weg. Die kommen nicht wieder – es dauert eine Weile, bis sich der Gedanke bei allen Beteiligten setzt. Und genau in diesem stillen Moment, in dem es „Klick“ macht im Kopf, versteht der Kunde die Bedeutung von Datensicherung. Entweder ist er gerade schlauer oder ängstlicher geworden. Vermutlich beides.